Gedanken nach dem Besuch im KZ Dachau

Geschrieben von NK

Anfang des neuen Schuljahres besuchten die 9.Klassen die Gedenkstätte Dachau. Vor Ort erhielten sie mithilfe einer Geländeführung und der Ausstellung einen Einblick in das Leben der KZ-Häftlinge. Besonders ergreifend war für viele Jugendliche das Betreten des ehemaligen Krematoriums. Zur Nachbereitung schrieben die Schüler einen Brief, um sich mit ihren Gedanken und Gefühlen auseinander zu setzen.


Sehr geehrter Paul Krämer,

heute war ich mit meiner Klasse in der Gedenkstätte Dachau. Nach diesem Einblick in die Geschichte weiß ich jetzt zumindest wie es theoretisch war, ein Gefangener in Dachau gewesen zu sein.

Aber dennoch kann ich mir dieses Leid und diesen Schmerz nicht vorstellen, weil es nichts vergleichbar Schlimmes gibt. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man sich fühlt, wenn man täglich dem Tod ins Auge sieht und wie, wenn man endlich sagen kann: ,,Ich bin frei“.

Dieser Besuch hat einem eigentlich nur Fakten zeigen können, was passiert ist, wie es passiert ist und warum. Aber selbst diese Informationen zeigen nicht, wie es wirklich war. Durch dieses Krematorium zu gehen und zu wissen „Hier standen, arbeiteten, starben und verbrannten Menschen ihre Mithäftlinge“ war für mich dieser Moment, indem ich wirklich gemerkt habe, wie dieser Ort geprägt ist und was es heißt dem Tod zu entgehen.

Ich kann jetzt sagen, dass ich erfahren habe, wie die Geschichte damals aussah und wie die Menschen dort lebten oder leider auch starben. Ich hoffe, Sie können Ihr Leben noch genießen und mit Ihrer Vergangenheit abschließen.

Ein Schüler der Klasse 9Mb


Liebe Oma!

Ich besuchte heute mit meiner Klasse im Rahmen des Geschichtsunterrichtes die KZ Gedenkstätte Dachau. Im Unterricht hatten wir schon viel über Konzentrationslager und die Gräueltaten, die dort verübt wurden, erfahren z.B. auch durch den Film „Schindlers Liste“! Doch heute direkt das Gelände des ehemaligen KZ Dachau zu betreten, war ein anderes Gefühl. Der Rundgang durch die Gebäude war bedrückend, besonders in der Gaskammer grauste es mich. Hier waren so viele Menschen ums Leben gekommen. Die Informationen über das Leben der Gefangenen waren eindrucksvoll und erschreckend zugleich. Ich war froh, als wir das Gelände wieder verließen. Jetzt kann ich mir etwas besser vorstellen, was Dein Vater durchgemacht hat. An diesem Ort wird man mit einem dunklen Kapitel unserer deutschen Geschichte konfrontiert. Das hat mich sehr berührt und traurig und nachdenklich gestimmt. Meiner Meinung nach sollte sich jeder mit diesem Teil unserer Geschichte befassen, weil so etwas nie wieder passieren darf. Von meinem nächsten Ausflug werde ich Dir wieder berichten.

Viele Grüße
Deine Luise


Lieber Überlebender des ehemaligen KZ Dachau,

dies ist ein Brief, wie es mir nach dem Besuch der Gedenkstätte geht. Wie kommt es nur überhaupt zu so einem Gedanken, ein KZ zu erbauen? Klar gibt es Antworten aus der Geschichte, aber verstehen tue ich es trotzdem nicht. Eigentlich kann ich das alles nicht in Worte fassen, es schockiert mich immer wieder, wenn ich daran denke. Haben die SS-Leute nur eine Sekunde nachgedacht, was sie da eigentlich tun? Haben sie nicht registriert, dass die Menschen dort doch genauso wie sie sind: Wir sind alle nur Menschen. Ich werde mir nie richtig vorstellen können, wie es dort als Insasse war, aber was ich darüber urteilen kann schon. Ich möchte, dass es so etwas nie wieder geben wird.

Eine Frage kreist mir aber ständig im Kopf herum, wie können Sie jetzt damit leben? Wie können Sie damit leben, dass es so schrecklich war?

Das Buch der Opfer ist dick, sehr dick. Als ich unter meinem Nachnamen schaute, habe ich festgestellt, dass vielleicht ein Vorfahre dort war.

Das beschäftigt mich bis heute…

Schülerin der Klasse 9Mb


Sehr geehrter Herr Schwarz,

Ich, Susanna Wagner, habe am Montag, den 2. Oktober das KZ in Dachau mit meiner Klasse besucht. Seit ich dort gewesen war, sind in meiner Hinsicht viele Fragen offen, wieso man so was getan hat. Man konnte sich nicht vorstellen, dass das wirklich alles passiert ist und man auf dem Boden steht, wo vielleicht jemand gestorben oder verletzt worden ist. Die Gedanken daran verfolgen mich immer noch, ich finde es unglaublich traurig und grausam, dass so was gemacht geworden ist. Mir wurde es auch zu viel, diese Bilder zu sehen von so vielen toten Menschen, die nichts dafür konnten. Man hat gesehen, wie abgemagert die Menschen waren und wie schlecht es ihnen ging. Eine schlimme Vorstellung, wenn man denkt was wäre, wenn es immer noch so wäre. Ich bin auch der Meinung, dass die Menschen es nicht so selbstverständlich sehen sollten, dass jeder ein eigenes Zimmer hat, jeder so viel zu essen bekommt wie er will und auch machen kann was er will. Die Menschen früher waren eingesperrt, sie haben womöglich dort die letzten Jahre ihres Lebens verbracht, bevor sie von den Wärtern erschossen oder erhängt worden sind und anschließend verbrannt wurden. Ich glaube die Menschen damals hätten alles getan, um so ein Leben führen zu können wie wir es heute tun.

Darum einen sehr großen Respekt an Sie, dass Sie nie aufgegeben haben und es aus dieser „Hölle“ geschafft haben.

Mit freundlichen Grüßen
Susanna Wagner


Sehr geehrter Herr Leslie Schwartz,

heute habe ich mit meiner Klasse die Gedenkstätte des KZ Dachau besucht. Wir haben das Gelände beschritten und die nachgebauten Baracken besichtigt. Ich habe versucht mir vorzustellen, wie eng und dicht an dicht, es sich angefühlt haben muß, in einer dieser am Ende vollkommen überbelegten Stuben. Es ist mir nicht gut gelungen, da ich so etwas zum Glück noch nie erlebt habe. Von Privatsphäre keine Spur, kein Mensch mehr – nur noch eine Nummer. Am schlimmsten empfand ich die Krematorien, wo man noch eine Spur von Asche in der Luft erahnen konnte. Und die Vorstellung, dass ein kleines Krematorium nicht ausreichte, um all die Leichen zu verbrennen, sodass ein größeres gebaut werden mußte. Erschüttert hat mich auch, als ich erfahren habe, dass in Dachau Experimente durchgeführt wurden, in denen getestet wurde, wie lange ein Mensch in Eiswasser überleben kann.

Nach all diesen Zumutungen, ja Anschlägen, die Sie erlebt und überlebt haben, finde ich es unsagbar bewundernswert, dass Sie den Kontakt zu der jüngeren Generation halten, Schulen besuchen und über Ihre Vergangenheit berichten – alles, um so einen Wahnsinn nicht noch einmal passieren zu lassen und nie zu vergessen.

Hochachtungsvoll
Marie Huber